Donnerstag, 16. April 2015

"The Afropean Contemporary" - Ein afrofuturistisches Literaturmagazin





Philipp Khabo Koepsell über die Publikation:
The Afropean Contemporary ist ein Projekt, das in Eigenregie entstand. Wenn Sie mich fragen, was es ist, muss ich antworten: "Es ist eine afrofuturistische Publikation, ein 148-Seiten Buch (DIN A5), das vorgibt, ein Literaturmagazin zu sein." Inwieweit es das ist, liegt in Ihrem Ermessen.

Über die letzten Jahre habe ich mich intensiv mit Afrofuturismus beschäftigt und das Potential dieses Konzepts entdeckt. In der Essenz geht es darum, die stereotypen Vorstellungen einer Schwarzen Lebensrealität zu hinterfragen, gar auf den Kopf zu stellen. Nicht nur als Ausdruck kreativer Energie, nicht nur, weil neue, progressivere Darstellungen Schwarzen Lebens notwendig sind, sondern auch, weil es diese Vielfalt der Visionen und Lebensumstände schon immer gegeben hat. Wir sind nur zu sehr gewöhnt an eine bestimmte selektive Narrative, um diese Vielfalt zu sehen.

An vielen bisherigen afrofuturistischen Werken hat mich oftmals die Ästhetik gestört. Bilder von Sun Ra und Erykah Badu mit ausgefallenen Sonnenbrillen und Neon-Grafiken schienen mir zu oberflächig. Der Bezug zur Vergangenheit fehlte mir, denn für mich sind es die uns oft unbekannten phänomenalen Errungenschaften der Vergangenheit, die unserer Gegenwart bestimmen und uns neue Visionen für die Zukunft liefern können.

Wohl oder übel drängt sich hier der Schatten des Kolonialismus auf; sicherlich auch der Widerstand dagegen. Ich habe mich daran gesetzt, der Ästhetik des vergangenen Jahrhunderts eine afrozentrische, futuristische Note zu geben; irgendwo in der Kategorie "Steam- und Diesel Funk". Als Vorlage dienten die frühen, anti-kolonialen und kommunistischen Magazine, die zwischen 1908 und 1933 von Schwarzen Aktivist_innen in Deutschland produziert wurden, "Elolombé ya Kamerun" und "The Negro Worker" aus Hamburg. Das Buchdesign stammt aus zwei Jahren "Trial & Error"-Arbeit und ich bin froh (und fast verwundert), tatsächlich die Ästhetik erreicht zu haben, die mir vorschwebte.

Der Aufruf, Beiträge für ein so komplexes "Artsy-Fartsy-Projekt" zu bekommen gestaltete sich anfänglich schwierig, da es schwer ist, Leute für die Teilnahme an einer Konzeptarbeit zu gewinnen, für die es noch keinen Präzedenzfall gibt. Umso glücklicher bin ich, dass sich doch viele Kunst- und Literaturschaffende gefunden haben, die diese Vision nicht nur teilten, sondern sie mit ihren Beiträgen auch fundamental bereichert haben. Über diese grandiose Sammlung an Beiträgen könnte ich kaum glücklicher sein. Das Gesamtergebnis ist keine gefällige Anthologie, sondern eine spannende und durchaus provokante Meta-Narrative einer afrofuturistischen Welt; gespickt mit diversen Rubriken, Interviews, Leseproben, Poesie, Fotografie, Buchrezensionen und sogar Kontaktanzeigen. Einige Beiträge wurden unter Pseudonymen verfasst; einige sind so explizit, dass sie eigentlich nur für Erwachsene sind. Auch dies muss erwähnt sein.

Das Buch ist eine Herzensangelegenheit, die ohne Funding entstand (und ohne regulatorisches Verlagslektorat, das Massentauglichkeit und Kundenprofile im Sinn hat). Es ist ein "No Budget Projekt", dass in seiner Herstellung so aufwendig war, dass ein Verlag sich so etwas auch schlichtweg nicht leisten könnte. Darauf bin ich stolz. Meine Hoffnung ist, dass es Sie genauso begeistert, deshalb möchte ich Ihnen ans Herz legen, einen Blick in das Buch zu werfen und sich für eine Weile in diesem Universum zu verlieren. Haben Sie Spaß, werden Sie wütend, nachdenklich, ergriffen oder traurig, lassen Sie sich verblüffen oder einfach nur gut unterhalten.
 Das Buch ist online erhältlich unter: www.epubli.de/shop/buch/45094

The Afropean Contemporary
Literatur- und Gesellschaftsmagazin
Philipp Khabo Koepsell

Sprache: Deutsch
ISBN: 9783844283266
Format: DIN A5 hoch
Seiten: 148
Verlag: epubli, Berlin

The Afropean Contemporary auf Blogspot und Facebook.
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"beyond the imaginary. Wer nicht glaubt, dass es das gibt: im Afropean Contemporary wächst afrofuturistisches die_welt_auf_den_kopf_stellen_um_sie_besser_zu_sehen, über sich selbst hinaus. Jede Seite überrascht auf’s Neue, eine Idee ist imposanter als die andere. Ein Feuerwerk kritischer Denkens und kreativer Zukunft."

- Prof. Susan Arndt, Professor of English Studies and Anglophone Literatures at the University of Bayreuth.

“Taking the 1884/5 Berlin Conference, which initiated the colonial scramble for Africa, and Afrofuturism as its cosmic launch pads, The Afropean Contemporary beautifully mashes-up in word and image Black German cultural productions in history, sex work, poetics, graphics, music, theater, and film. The Afropean Contemporary retrofuturistically excavates the Black futures we have already lived within those Afro-pasts inaccessible through the tools of colonial history in order to free our minds and with the certainty that our asses will most definitely follow.”

- Alexander G. Weheliye, 
Professor of African American Studies/English, Director of Graduate Studies African American Studies, Northwestern University
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Freitag, 5. September 2014

Arriving in the Future: Stories of Home and Exile

BRAND NEW BOOK. NEUE PUBLIKATION!

Arriving in the Future: Stories of Home and Exile ist eine englisch-sprachige Anthologie von Poesie und Kurzgeschichten aus der Feder Schwarzer Literaturschaffender in Deutschland. Mit 26 Mitwirkenden und 252 Seiten ist Arriving in the Future die bisher umfangreichste Anthologie mit diesem Fokus und ist eine Steilvorlage für Akademiker*innen und Poesie-Nerds.
Sie sei hiermit wärmstens ans Herz gelegt.

Zu bestellen gibt es Arriving in the Future im Buchhandel oder - am besten - direkt beim Verlag - also hier bei epubli.

Einen wunderschönen TV Bericht von BR3 zur Buchveröffentlichung gibt es hier zu sehen.


Arriving in the Future: Stories of Home and Exile. 
Asoka Esuruoso and Philipp Khabo Koepsell (eds.)
ISBN: 9783844292107
Format: DIN A5 hoch
Seiten: 252

Sonntag, 9. März 2014

NEUES BUCH!
Wenn ich vorstellen darf: Ein kleines Herzensprojekt mit Chantal-Fleur Sandjon, Sarah Mouwani, Nando Nkrumah, Winni Modesto und meiner Wenigkeit.

Für Details bitte hier.

Für Bestellungen (und es geht wirklich ratz-fatz) bitte hier klicken.
Und bevor ich's vergesse: Bookings bitte hier hin.













Montag, 17. September 2012

Live at the Black German Cultural Society convention NYC

Had a beautiful time at the Black German Cultural Society convention 2012 in New York City.
Please enjoy this video the performance night with Olumide Popoola and me.

Can't embed it right now but WATCH THE FULL PERFORMANCE HERE: http://blackgermans.us/convention2012/index.php/videos/enacting-multiplicity


Donnerstag, 16. August 2012

New Night Babies & Blaq Pearl in Paris

Hier ist eine kleine Präsentation der New Night Babies (Berlin/Dallas/Rotterdam) zusammen mit BlaqPearl(SA)auf Club-Tour in Paris. Aufgenommen Juni 2012.
New Night Babies & Blaq Pearl von wallace92TV

Donnerstag, 29. März 2012

Trayvon Martin und die Herren von der Bundespolizei


Da ist was... das ist seltsam. Soweit hergeholt kann es nicht sein. Darf ich ausführen? Die Fotos kapuzentragender Schwarzer Politiker, Musiker und Celebrities in Hoodies sind bewegend. Natürlich sind sie das. Da wurde ein 17-jähriger Junge von einem übereifrigen Neighborhood Watch-Captain erschossen, weil dieser den Teenager für kriminell hielt. Dass dieser nur zur Halbzeitpause schnell Süßigkeiten und Eistee gekauft hatte, macht das ganze so unsagbar bitter, dass selbst Präsident Obama dazu Stellung bezieht.
Nun geht drüben ein echter Ruck durch die Gesellschaft. Auch Mainstream Talkshows greifen verspätet das Thema auf. Es scheint klar zu sein, dass es nicht okay ist und nicht sein darf, dass Menschen, ausschließlich aufgrund ihrer Hautfarbe und Kleidung als potentiell kriminell eingestuft werden. Trayvon Martin (und unzählige Namenlose) sind die traurigen Beispiele dieses rassistisch-motivierten Phantasmas. Republikaner, Demokraten, alle scheinen sich dabei einig zu sein. 
Und dann kommt Deutschland.
Als ob wir uns alle in einem zusammenhangslosen Vakuum befinden, befindet das Verwaltungsgericht Koblenz genau diese Einschätzung für zulässig und für den Dienst der Bundespolizei unabdingbar. Und zwar im Kampf gegen das "Illegale". Ist der/die Bahnreisende Schwarz oder auch nur vom Aussehen her nicht der "deutschen Kultur" zugehörig, dann soll es legitim sein sie/ihn stichprobenartig auszusondern, um sein "Deutschsein" zu überprüfen. Ist sie/er durch wundersame Fügung des Schicksals tatsächlich deutsche_r Staatsbürger_in, folgt der obligatorische Anruf in der Zentrale, um sicherzugehen, dass hier nicht noch ein offener Haftbefehl aussteht. An und für sich ist dieses Prozedere nichts neues. Wir erleben's ja nun selbst zu häufig, als dass wir's 'Zufall' nennen können. Neu ist allerdings, dass dies, was bisher von Polizei und Innenministerium vehement geleugnet wurde, vor Gericht von Beamten als Standardvorgehensweise beschrieben wurde.
Was hat Trayvon Martin damit zu tun?
Exakt die Einschätzung, die Trayvon Martin das Leben kostete, wird in Deutschland richterlich abgesegnet - die Kriminalisierung des Schwarzen Subjekts, wahlweise jeglichen Subjekts of color. Wir befinden uns eben nicht in einem soziopolitischen Vakuum. So groß ist die Welt nicht mehr. Wir, als Gesellschaft haben eine Verantwortung zu tragen, uns zu entwickeln, uns zu bessern und - platt gesagt - die Welt zu einem faireren, gerechteren Ort zu machen. Dies ist der Impuls und die Legitimation unseres Handelns, abgesehen von der Selbsterhaltung. Ein Bedauern der "menschenverachtenden Zustände in Übersee", gepaart mit dem Abnicken diskriminierender Rasterfahndung im eigenen Land, ist - ich bedauere das pathetische Grummeln vom Olymp - Urin auf den Gräbern der Menschen, die für eine bessere Welt kämpften oder in einer schlechteren ums Leben kamen. 
Vor noch nicht langer Zeit wurde uns gesagt, wir seien Deutschland. Das ist toll und doch manchmal ein fragwürdiges Zugeständnis. Bei all der Beweihräucherung demokratischer Grundwerte, im Angesicht des latenten Misstrauens gegenüber den eigenen Bürgern und Gästen, bleibt es doch, was es war. Ein Land mit einem schizophrenen Verhältnis zum eigenen Spiegelbild. Daran könnten wir doch mal arbeiten.

Dienstag, 27. März 2012

Ein kleines bisschen illegal und nicht ganz so deutsch


"Bundespolizei! Von Ihnen hätten wir gerne den Pass gesehen! Sprechen Sie deutsch? Do you have identification?" Es rüttelt an meinem Sitzplatz. Aus dem Schlaf und Kontext gerissene Fetzen wollen sich nicht erklären lassen. Wer sind diese Männer? Sind wir schon in Berlin? Und warum sprechen sie jetzt englisch? Ich schweige. Identification, was die Herren wollen, findet sich nicht im luftleeren Raum. Es ist ein abstraktes Konstrukt, in diesem Moment dargestellt durch eine gezackte Denkblase mit dem Wort "Hä?" Trockene Spucke verklebt meine Mundwinkel. Wer ich bin? Ich bin "Hä?", das aufgescheuchte, schlappohrige Nagetier im Angesicht höherer Mathematik. Später und einen Raststättenkaffee wacher versteh ich, die seltsamen Herren wollen den genauen Verlauf  einer neun-stelligen Nummer, welche auf meinem Perso steht und ich nicht auswendig weiß. Doch in diesem Moment blicken meine schlaftrunkene Karnickelaugen auf Hemd, Gürtelschnalle und Accessoires und finden keinen Bezugspunkt für die Frage. 
"YOUR PASSPORT! Papiere!" Was die Herren wollen kann unmöglich meine Angelegenheit sein. Wir sind  in Deutschland. Haben diese zwei schnurrbärtigen Männer alle anderen 57 Insassen des Reisebusses befragt, bevor sie zu mir kamen? "Nein. Wir fangen bei Ihnen an."  Und erstaunlicherweise hören sie auch bei mir schon auf. Nicht allerdings bevor sie nicht ein Mal durch die Reihen blicken, um sich zu vergewissern, dass auch alle anderen deutsch genug ausschauen. Meine größte geistige Leistung nach meinem unfreiwillig unterbrochenen Nickerchen ist es, aufzuspringen und mich sichtbar für alle Mitreisenden auf Augenhöhe der Beamten zu stellen. Ein Karnickel konfrontiert mit Algebra und Marmorkuchen. "Und warum nur ich???...Hä?" (ja, eine Glanzleitung an Zivilcourage...). "Verdachtsunabhängige Kontrollen nach polizeiinternen Kriterien," brummelt es. Kriterien, welche mir zwar schon einige Momente später peinlich transparent scheinen, doch seit heute, dank des Verwaltungsgerichts Koblenz unmissverständlich durchs Netz geistern: Die dürfen das, weil ich für die nicht deutsch genug aussehe;. dementsprechend potentiell illegal - in jeglicher Form. Trotz Staatsangehörigkeit seit Geburt und so... Draufgeschissen!

Beamte der Bundespolizei dürfen Reisende jedenfalls auf Bahnstrecken, die Ausländern zur unerlaubten Einreise oder zu Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz dienen, verdachtsunabhängig kontrollieren. Es ist ihnen bei Stichprobenkontrollen nicht verwehrt, die Auswahl der anzusprechenden Personen auch nach dem äußeren Erscheinungsbild vorzunehmen.
(Verwaltungsgericht Koblenz, Urteil vom 28. Februar 2012, 5 K 1026/11.KO)

Und Ja, ganz genau, das bedeutet inklusive der Hautfarbe der kontrollierten Personen. Was mir in einem Reisebus auf einem Autobahnrastplatz bei Hof passierte ist kein Einzelfall, sondern Alltag und ich will dieses nicht wahrhaben. Das Verwaltungsgericht spricht  anscheinend auch über Busreisen. Anderswo heißt dieses Prozedere "racial profiling" und rangiert zwischen moralisch fragwürdig und rechtswidrig - hier in Deutschland "sollen wir uns da aber nicht so anstellen" , wie mir gesagt wurde. Schließlich ist ja jeder dann und wann mal einen kleines bisschen illegal.
Ich frage mich, wie das Gericht entscheiden würde, ginge es um berufstätige Frauen im Pendelverkehr - weiß und blond -  die willkürlich polizeilich kontrolliert würden, nur um sicherzustellen, dass es sich nicht um tschechische Prostituierte ohne Arbeitserlaubnis handelt … food for thought, ne?
Nein, ich weiß nicht, was wir dagegen tun können; ob es einen brodelnden Shitstorm gegen das Verwaltungsgericht oder die Landes- oder die Bundesregierung geben wird; ob es hilft,  die Queen um Asyl zu bitten, aber - um mal ein Zitat einzuwerfen -YOU HAVE GOT TO GET MAD!!! YOU'VE GOT TO SAY "I'M A HUMAN BEING, GODAMMIT! MY LIFE HAS VALUE!" Es darf nicht staatlich tolerierte Polizeipraxis sein, Menschen aufgrund ihres Aussehens als "potentiell illegal" und kriminell einzustufen,und diese präventiv so zu behandeln. Es darf nicht! Nicht in diesem Land; nicht nirgendwo!

Sonntag, 15. Januar 2012

Gedicht: Applaus für Schuhcreme (grob verallgemeinert)


Ein kleines Stück über Blackface-Tradition und insbesondere das bescheuerte "schwarz-schminken" weißer Schauspieler in deutschen Theaterproduktionen (wie derzeit im Stück Ich bin nicht Rappaport im Schlosspark Theater Berlin, aber nicht nur dort). Ist natürlich meine persönliche Meinung, aber mal ehrlich: Deutschland ist halt kein kulturelles Vakuum, in dem unschuldige Schlumpf-Familien klatschen, tanzen, Lieder singen...




Applaus für Schuhcreme (grob verallgemeinert)

Es gilt Geister und Stümper zugleich zu bändigen
bis sich Meister von Wort und Bewegung verständigen
Ein schillerndes Spiel, eine schrille Kulisse und bissige, schmissige, witzige Wortspiele
Farbe im Gesicht und das Wissen, dass, würde er sich vor Lachen bepissen,
ihm niemand ins Wort fiele. Der falsche Mohr tanzt!
Ein Schmatzen der Lippen, ein leuchtender Lackschuh
ein echter Flamingo im Kegelscheinwerfer 
Ein Brandfleck im Sakko, ein lautloses Grollen
Ein hagerer Mann, fast ein Ledergerippe
Trotz federnder Schritte schmerzen die Bandscheiben
Den Dreck in der Presse kann man ihm nicht ankreiden!
Dranbleiben, der Pawlowsche Hund kann nur so lange sabbern
bis der Knochen geknabbert und die Knabber verdaut ist!
Schaut, s’ist Kritik aus kulturfremden Kreisen
Dass es „Schaumküsse“ heißt, können sie auch nicht beweisen
Und Rassismus ist ein Wort, das gelogen ist
Lass die prätentiösen Spinner toben. Kunst ist da, wo oben ist!
Der Spott, der ganze Ärger und das sinkende Interesse
perlen ab, an der pechschwarzen Schminke in der Fresse
Und so lang kein Afrikaner an der Kasse Karten kauft
kann auch keiner sich beschweren.
Ein Toast auf die Kultur
und freie Kunst in allen Ehren…

Blackface -  ist für Karnevalsstatisten
ist für triste weiße Männer ohne Kopf mit Schalter!
ist für Minstrel-Sänger, ist für Faschos und Rassisten
aber nicht - für Kinder in Deinem Alter!

Die Theaterintendanz stampft empört im Kreis
Das Feuilleton fühlt sich inhaltlich komplett übergangen
Die ganze Bühne ist verstört. Ja, was soll denn der Scheiß?
Wir ham nicht erst gestern damit angefangen
Das macht man so. Ham wa immer so gemacht.
Hat sich keiner beschwert. Ham se alle gelacht.
Aber jetzt schreiense alle, das war ne blöde Aktion
Dabei hatten wir fast niemals ne Blackface Tradition.

Deutschland hatte niemals… weiß gar nicht was das ist
Sowas gabs hier gar nicht. So Blackface und so’n Mist
Deutschland hatte niemals ne Blackface Tradition.
Wirklich fast niemals eine Blackface Tradition
Bis auf die Karikaturen aus des Kaisers Kolonialzeit,
die Afrikaner darstellen wie Schimpansen
wie bizarre Kannibalen mit überzeichneten Lippen
mit Ringen und mit Knochen und mit Röcken und Fransen
Bis auf die Propagandablätter aus den 20er Jahren,
in denen Afrodeutsche „Rheinland Bastarde“ waren
Kinder von Huren, samt Bilder und Geschichten
und den Aufruf, die ganze Meute Wilder zu vernichten
Bis auf das Lichtspielhaus- und Theaterprogramm
mit dem bösen schwarzen Mann, mit einem Heiden-Tam-Tam.
Bis auf den treuen Askari, bis auf den edlen Wilden,
bis auf alles, wie sich Menschen damals kulturell bilden.
Bis auf den Karneval bei uns. Gleiche Zeit, jedes Jahr.
Mit Klamauk und Kostümen. Gleiche Zeit, jedes Jahr.
Mit dick-gemalten Lippen und mit Afroperücken,
und mit Schaumstofftitten und mit Knochen im Haar.

Is jetz nicht so schlimm. Is ja nicht USA...
Die ham da ja so richtig so ne Blackface Tradition
Hier ist das so ja gar nicht, vor allem schon mal
weil hier überhaupt keine Schwarzen Menschen wohnen.
Political Correctness ist so intolerant!
Da leiden Qualität und vor allem die Ästhetik
Kultur ist doch allerhöchstes Gut in diesem Land
Und dann kommen so’n paar Migranten und erzählen was von Ethik.
Und das Feuilleton kotzt. Was für’n Affentheater!
Deutsches Theatergut wird mutwillig zwangszensiert
All die Kritik stammt von der Gedankenpolizei
dank der das Wort Toleranz an Substanz verliert!
Deutschland braucht doch so viel mehr Toleranz
Toleranz ist doch das neue Wort der Stunde
Die Migrationslinge sollten mal viel mehr davon zeigen
Sonst geht Deutschland aber so was vor die Hunde.
Und kapieren tut das keiner, aber ist auch egal.
Wir ham doch wohl die Wahl, wie wir andere darstellen.
Wenn die anderen das nicht wollen, dann hamse halt Pech!
Das, Freunde der Kunst, wollen wir doch mal klarstellen.
Toleranz bedeutet,  ich kann sagen, was ich will
Toleranz ist meine Freiheit, Dich zu nennen, wie ich will
Toleranz heißt, ich kann spielen, wen ich will
Und wenn ich Dich spielen will, Dich zu spielen, wie ich will.
Toleranz heißt, die Last der Geschichte abzulegen
Toleranz ist hohe Kunst, der ich zusehen kann
Toleranz ist meine Freiheit, mal auf Deine zu scheißen
Toleranz heißt, ich mal mich heut mit Schuhcreme an.

Die so-dargestellten warten auf sich selbst
Die so-dargestellten warten auf sich selbst und sehen sich kommen
Und werden als „zu zart-besaitet“ wahrgenommen.
Die so-dargestellten haben kein Interesse daran, so dargestellt zu werden.
Doch vielleicht ham sie Interesse, selber zu bekommen,
wenn sie sich für Theaterrollen bewerben.
Sie ham vielleicht Interesse, mal den Landarzt zu spielen
denn der Arzt in ihrer Straße sieht so aus wie sie.
Oder den Advokat oder den Kinderpsychologen
Doch das erfordert vielleicht etwas zu viel Phantasie.

Blackface ist für Karnevalsstatisten
Ist für triste weiße Männer ohne Kopf mit Schalter
Ist für Minstrel-Sänger, ist für Faschos und Rassisten
Aber nicht für Kinder in deinem Alter!



picture source: http://www.publikative.org/wp-content/uploads/2012/01/rappaport2.jpg

Montag, 28. November 2011

Witnessed Book Series

'Witnessed' ist eine englischsprachige Buchreihe geschrieben von Schwarzen Autor_innen, die in Deutschland leben oder lebten und wird von Sharon Dodua Otoo herausgegeben. * * *

Mittwoch, 12. Oktober 2011

NEW NIGHT BABIES live @ Südblock


Update: Südblock proudly presents the New Night Babies ;-)
Event Invitation: NEW NIGHT BABIES

20 October at 21:00
Südblock, Admiralstr. 1-2
Kreuzberg, Berlin Germany
Eintritt 5 €

Die Band um RonAmber Deloney (Flow) aus Dallas und dem Berliner Philipp Khabo Köpsell verbindet Elektro-Funk und Neo-Soul mit Spoken Word und Sprechgesang. Dabei entsteht eine einzigartige Kollage aus Wortkunst und Live-Musik. Ihre deutsch/englischen Texte thematisieren den alltäglichen Rassismus in Europa und den USA ebenso wie Schönheit und Absurdität in der Popkultur. Bei ihren Konzerten beeindruckt Gitarrist und Sänger Jokaa mit seinem Acapella-Gesang sowie der kreativen Handhabe seiner “Loop Maschine”.
 

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Afro Slam Poetry Express @ Goethe-Institut Johannesburg

Afro Slam Poetry Express. Harare to Jozi September 24, 2011,Goethe-Institut Johannesburg
With poets from South Africa, Zimbabwe, Malawi, Botswana and Germany: Mischa-Sarim Vérollet n Philipp Khabo Koepsell (Germany) Lungile Lethola, Sbu Simelani, Bonga Ndzweni, Black P, Lindiwe Vilakazi KB(SA), Nyamalikiti(Malawi), Tim Mwaura(Kenya), Mandisa Mabuthoe, Xapa n Madzitatiguru(Zim)

Madzitatiguru

Mandisa

Montag, 8. August 2011

WDR 5 Mitschnitt: "Die Akte James Knopf"

Die Akte James Knopf - Interview von WDR 5

Moderation: Jürgen Wiebicke
In seinem Lyrikband "Die Akte James Knopf - afrodeutsche Wort- und Streitkunst" (Unrast Verlag, Herbst 2010) verarbeitet Phillip Khabo Köpsell sein Leben als Schwarzer in Deutschland. Mit bissiger Poesie und politischen Satiren behandelt der Künstler deutsch-südafrikanischer Herkunft dabei vor allen Dingen die eigenen Rassismuserfahrungen.

Seit Ende des letzten Jahres tourt der Künstler und Afrika-Wissenschaftler mit seinem Buch durch die Lande: Als "Spoken Word Performance" präsentiert er seine Texte und wird dabei von Bass, Geige oder von der Electro Funk Band "New Night Babies" begleitet. Ein überaus gelungenes Zusammenspiel, das zum Nachdenken und Lachen zu gleich anregt.


Das Buch: http://www.unrast-verlag.de/unrast,3,0,591.html

Autor/in:
Dina Musharbash

Redaktion:
Evelyn Noll

Text geklaut von: http://www.wdr5.de/sendungen/neugier-genuegt/s/d/02.08.2011-10.05/b/die-akte-james-knopf.html

Donnerstag, 21. Juli 2011

Mit Bass und Fresse.

Ich präsentiere: Das Produkt einer kleinen Session für ein WDR Radio Interview (Gruß an Dina). Monsieur Branco am Bass und meine Wenigkeit am Mikrofon. Im Herbst haben wir hoffentlich die Möglichkeit wieder mit Miss Floweasy als New Night Babies auf den Brettern der Welt zu stehen. Better be ready!

   Berlin Westend - Philipp Khabo Koepsell by bra phil

Defending Dessau - Philipp Khabo Koepsell by bra phil

Freitag, 15. Juli 2011

Malcolm X. A Life Of Reinvention

Was für ein Schinken! Knapp 600 Seiten führen von Malcolm Little über "Big Red" zu El-Hajj Malik Shabazz. Ich hab's durch und das Ding hat jetzt ein paar hundert Eselsohren!
Columbia Professor Manning Marable (leider Anfang dieses Jahres verstorben) hat eine Mammut-Biographie geschaffen, die allein durch ihren Umfang an Recherche bereits beeindruckend ist. Interviews, Akteneinsicht beim NYPD, FBI und der Nation of Islam (!) Tagebucheinträge, Briefe und detaillierte Informationen über,wie mir scheint, hunderte Zeitgenossen fügen sich zusammen zu einer präzisen chronologischen Darstellung eines Mannes, der heutzutage nur noch als glorifizierte Popcorn-Ikone des BlackNationalisms wahrgenommen wird. Marable schafft es, den Mythos Malcolm X auf respektvolle Weise zu demythifizieren und den Charakter eines Mannes zu skizzieren, der auf einem schmalen Grat zwischen Politik und Religion versuchte, seinen Ambitionen gerecht zu werden. Dabei offenbaren sich, wie es bei echten  Menschen nun mal so ist, nicht nur Chararkterstärke und grandiose Visionen, sondern auch politische und private Fehlschläge, Charakterschwächen und manche peinliche Details von denen Alex Haley (und letzten Endes auch Spike Lee) beim Schreiben seiner Biographie Anfang der 60er noch nichts wissen konnte. Keine Sorge, es ist trotzdem eine äußerst liebevolle Arbeit. Viel Stoff. Gute Lektüre!


Manning Marable (1950-2011)
Dr. Marable hat mit seinem Stiefsohn Michael Tyner eine kleine begleitende Videodokumentation des Buches produziert. Hat vier Teile, nennt sich "Malcolmology", ist für meinen Geschmack etwas kurz geraten und zeigt etwas zuviel Braggadacio als notwendig, aber schafft einen ganz netten Überblick über verschiedene Kapitel des Buches. Der erste ist hier. Den Rest findet ihr schon selbst.



FORA.tv Panel-Diskussion mit Cornell West u.a. über Marables Malcolm X Biographie (Klick "Full Program):


Picture "Marable":http://c250.columbia.edu/images/c250_celebrates/harlem_history/240x240_marable.jpg

Freitag, 1. Juli 2011

Dienstag, 21. Juni 2011

Zweitausendelf oder "Justitia Has Left The Building"


Also, am 24.10.2010 wird Kamal Kilade, ein junger Iraker in Leipzig von zwei Neonazis erstochen. Letztere sind tätowiert mit SS-Runen, Hakenkreuz und dem SS-Motto: "Unsere Ehre heißt Treue." Der eine ist Mitglieder der Kameradschaft Aachener Land, beide kommen gerade aus dem Knast. Das verhandelnde Gericht, bzw. die Staatsanwaltschaft beschließt "Hinreichende Anhaltspunkte für eine ausländerfeindliche Motivation der beiden Angeschuldigten bei der Tat haben die Ermittlungen nicht ergeben". Da fehlen mir die Worte.
Mal abgesehen davon, dass es in Deutschland immer noch keine Statistik für rassistisch-motivierte Straftaten gibt, wie es in Großbritannien der Fall ist, reicht die Tatsache, dass es sich um bekennende Rechtextreme handelt nicht aus, um in die Kategorie "Hate Crime" zu rutschen. 

Dessau im Januar 2005: Oury Jalloh verbrennt auf mysteröse Weise in einer Gefängniszelle: Er war an Händen und Füßen angekettet, auf einer feuerfesten Matratze, mit gebrochenen Nasenbein und einem zerrissenen Trommelfell, zum Zeitpunkt des Brandes nur noch so schwach atmend, dass sich kaum Ruß auf seiner Lunge absetzt; alle Überwachungsaufnahmen die zum Zeitpunkt des Brandes den Zellenntrakt filmen sollten wurden durch wundersame Weise gelöscht, die Zeugen verstricken sich in Falschaussagen und die Staatsanwaltschaft läßt auch noch im zweiten Prozess 2011 verlauten: „Es gibt keine andere denkbare Variante als die, dass Oury Jalloh das Feuer selbst angezündet hat.“ Wie seltsam. Mir würden ein paar einfallen.

Es scheint, als hätten die Innenministerien Sachsens und Sachsen-Anhalts ein Interesse daran, rassistisch-motivierte Straftaten zu bagatellisieren, zu deklassifizieren oder den ganzen Tathergang ad absurdum zu führen - was angesichts des möglichen Imageverlustes absolut verständlich ist, nur eben nichts mehr mit Gerechtigkeit und Wahrheitsfindung zu tun hat.
Justitia has left the building.

Gut. Ich bin Laie, aber meine Frage ist: Wenn ein Gericht die Aufgabe hat, die Wahrheit herauszufinden aber eben dieses von Seiten der staatlichen Institutionen (Polizei und Staatsanwaltschaft) sabotiert wird, weil sie bereits auf der Basis falscher Prämissen in die Verhandlung gehen, wie kann die "Wahrheit" deutscher Gerichte weiterhin als Wahrheit sans commentaire gelten?
Wieso gibt es keine Kategorie für rassistisch-motivierte Straftaten, wie in UK? Wenn in den USA Straftaten gegenüber Muslimen (und allen die für welche gehalten werden) nach dem 11.Sept. 2001 um 1700% gestiegen sind, wie kann Deutschland (wer auch immer das ist) immer noch so tun, als wären Kategorien hierzulande überflüssig?
Warum gibt es immer noch keine unabhängigen Kommissionen, die in solchen Fällen die Vorgehensweise und mögliche "Prädisposition" der Polizei untersucht?


...Silence.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Amnesty International - Bericht über Polizeibrutalität in Deutschland

via Amnesty International

TÄTER UNBEKANNT

"Mangelnde Aufklärung von mutmaßlichen Misshandlungen durch die Polizei in Deutschland" (Amnesty International, 2010).

In dem im Juli 2010 veröffentlichten Bericht dokumentiert Amnesty International ernstzunehmende Vorwürfe von mutmaßlicher Misshandlung und unverhältnismäßiger Gewaltanwendung durch Polizeibeamte in Deutschland. Amnesty International schildert und kritisiert in dem Bericht, dass die Ermittlungen bei Anzeigen gegen Polizisten mangelhaft waren.

Seit 2004 haben 869 Personen Amnesty International über Probleme mit der Polizei informiert. In 138 Fällen stellte Amnesty International weiterführende Nachforschungen an. Im Zuge dieser Recherchen wurden mutmaßliche Opfer (und bei Todesfällen überlebende Angehörige), Anwälte, Vertreter von Polizei und Staatsanwaltschaften sowie Richter befragt. 15 Fälle werden im Bericht ausfürlich beschrieben, drei davon in der Zusammenfassung im Pressebereich.
TÄTER UNBEKANNT: Mangelnde Aufklärung von mutmaßlichen Misshandlungen durch die Polizei in Deutschland (Amn...



via Amnesty International

Sonntag, 12. Juni 2011

1884 Projekt - Werkstatt der Kulturen, Berlin

via Werkstatt der Kulturen


125 JAHRE NACH DER BERLINER KONFERENZ

Auf Einladung des deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck fand vom 15. November 1884 bis 26. Februar 1885 in Berlin die sogenannte "Afrika-Konferenz", manchmal auch "Kongokonferenz" genannt, statt. Ihr Schlussdokument, die "Kongoakte", war Grundlage für die Aufteilung Afrikas in europäische Kolonien. Die Folgen dieser Konferenz bestimmen die Geschichte und Geschicke des afrikanischen Kontinents bis heute.


1884: ZEIT FÜR EINE REDEFINITION 
GEDENKEN MIT PAN-AFRIKANISCHEM MUSIK-PROJEKT

1884 - Music-History-Project

Die MusikerInnen des Projektes 1884 wollen mit den Songs auf der CD 1884 ein Bewusstsein für die bis heute wirksamen und oftmals verhängnisvollen Folgen der willkürlichen Teilung Afrikas schaffen und damit einen Beitrag zur historischen Bildung leisten. Musikalisch bedient sich 1884 bei Afro-Beat, Highlife, R&B, M`Balax, Souk, Jazz, Hiphop, Salsa
Die MusikerInnen von 1884 wurden in Workshops mit Referaten, Filmen und Diskussionen über die Geschichte Afrikas vor der Kolonialinvasion, über Sprachenpolitik in Afrika und die afrikanischen Widerstandsbewegungen gegen die koloniale Unterwerfung informiert.
Aus diesen Inputs heraus entstanden die Songs für “1884”.

Text source: http://www.werkstatt-der-kulturen.de/de/inhouse/produktionen/1884_-_musik-cd-projekt/

Mittwoch, 8. Juni 2011

Bei May an der Tafel - Ein Abendspaziergang

A rather personal note:

Seit heute Mittag steht die Gedenktafel am May-Ayim-Ufer. Nicht, dass ich glaubte, irgendetwas Neues zu lesen... Ich ging trotzdem hin. Vorhin, im Dunkeln, bei kaltem Wind und undefinierbarem Nieselregen. Ein paar Friedrichshainer Hipster-Krautrocker haben auf der Oberbaum- Brücke gespielt. Die Gitarre war unsinnig übersteuert und schallte quer über die Spree. Und es roch nach See! Es riecht nie nach See in Berlin. "Diesel" ist das höchste der Gefühle. Überhaupt gehen Gerüche unter in Berlin. Zwischen konstantem Rauschen und Knattern der Motoren, dem Gejohle besoffener spanischer Teenager und dem ständigen Blinken der O2-Leuchtreklamen, Daddelhallen, Dönerschuppen, Massagesalons - zwischen all diesen "IN-YOUR-MUTHAF**IN-FACE"-Reizen verliert die olfaktorische Wahrnehmung an Bedeutung.

Ungefähr zweihundert Meter in der Straße hinein steht sie dann da. Auf dem Rasen, in aller Pracht. In Glas gefasst. Es ist ein schönes Bild von May - das Bekannteste halt. Irgendwie ist es seltsam für mich das Bild einer Frau zu bewerten, die ich nie kennen gelernt habe. Es ist albern. Es ist eine Gedenktafel an einer Straße und kein... ich weiß nicht. Und selbst wenn ich ihre Gedichte gelesen und analysiert habe, bedeutet das nicht, irgendwas von der Person verstanden zu haben.
Um ehrlich zu sein, sind mir die meisten ihrer Texte wieder entfallen. "Afrodeutsch I" haben wir bis zum geht-nicht-mehr zitiert. Wir, wir alle, die sich mit diesem "Wir" identifizieren können. Die Sache mit der deutschen "Sch-Einheit" und das Adjektiv "Leberwurstgrau" drängt sich auf. Es sind Begriffe, die in mir Bilder auslösen von Helmut Kohl, Autobahnzubringern, gelben Telefonzellen, eckigen deutschen Autos und Herbert-Grönemeier-Hymnen im Hintergrund. Neonazis und Nineties-Nostalgie. Die frühen 90er muss mensch nicht mögen, aber wahrscheinlich waren sie notwendig. Weniger Nazis wären allerdings toll gewesen.

Und dann ist da noch die Sache mit der Community und dem Schritt aus der Isolation. Freundschaften, Wohnprojekte, großartig-unterhaltsame zwischenmenschliche Konflikte, Empowerment, Dreadlocks, Kinder, Politik - das volle Programm.  Ich hab mich auf dem Weg gefragt, wie viele Afrodeutsche Menschen ich dort treffe. Dort, an der Tafel. Es war, zugegebenermaßen, etwas naiv anzunehmen, ganz AfroBerlin würde bei solch pissigem Wetter um 23Uhr melancholisch an der Oberbaumbrücke enlangflanieren, um am May-Ayim-Ufer die Beine auszuruhen, ...aber so abwegig war's nu auch nicht. Es war der erste Tag und mein Facebook war voller Jubel darüber. Vielleicht hatte ich auch nur zu viel hineininterpretiert.

Es ist eine kleine gepflasterte Straße; auf der Rechten zur Spree hin offen. Links ein Kuchenstück Hundewiese mit ein paar Pappeln, dann wieder Berliner Häuserfront. Nicht wirklich relevant und doch hübsch. Vor Allem aber ist es der bisher einzige Ort, wo unsere "Bindestrich-Identitäten" namentlich - auf dem Stadtplan verzeichnet, im Stadtbild verewigt - Normalität darstellen. Eine Person, die gewürdigt wurde. Eine Schwarze Frau. Ein Sieg, ein einziger. Ein verdienter Sieg. Eine verdammte Straße in all dem Mist, der einem täglich um die Ohren fliegt! Es ist ein unfairer Kampf...
Einmal hoch, einmal runter. Zum Wasser geschaut, Fluppe geraucht, den Geruch der Pappeln genossen. Tief durchgeatmet und mit einem warmen Gefühl von Hoffnung am Horizont den Heimweg angetreten. War halt nen Abendspaziergang... War schön.



Picture Source, Tafel: http://www2.frieke.de/uploads/pic_4111547_full.jpg
May-Ayim-Ufer: http://blog.derbraunemob.info/wp-content/uploads/2009/05/collage-now-reality_50prz.jpg

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