Montag, 29. November 2010

Angela Davis and Toni Morrison

LIVE from the New York Public Library : Angela Davis and Toni Morrison

Der Sesperado hat einen spannenden Link gepostet, dem ich folgen musste. Ein tolles Tischgespräch zwischen Angela Davis und Toni Morrison über Bibliotheken, den US-amerikanischen Strafvollzug und visuelle Literarizität; aufgenommen Ende Oktober 2010. Die zwei sind einfach knuffig.

Sonntag, 28. November 2010

AFRIKAAPS. The Documentary (Trailer)

Foetzek, man! Dis is krazy! AFRIKAAPS ist ein Südafrikanischer Dokumentarfilm über eine gleichnamige Hiphopera, welche die eindrucksvollsten Tänzer, Musiker, Rapper und Spoken Word Performer_innen des Western Capes auf der Bühne vereint. Das an sich wär schon Grund genug durch die Zähne zu pfeifen, wäre nicht das Thema, das sie auf die Bühne bringt einen Zacken schärfer. Es ist die künstlerische Dokumentation der Entwicklung von Afrikaans in Südafrika (Wer spricht? Wer definiert? Wen? Wie?). Und zwar seit 1652. Ist also Afrikaans noch die Sprache der Vortrekker? Der grobschlächtigen, Bakkie fahrenden, Boerewoers fressenden, Flanelhemdentragenden, einsilbe Antworten gebenden, weißen Afrikaaner Minderheit?

Oder ist eine Neuverhandlung der Sprache möglich, so dass auch "kullid folks" eine positive Identifikationsmöglichkeit unter ihr finden? Die Antwort muss natürlich "ja" heissen und ich würde töten, um eine Kopie dieser Doku in die Hände zu bekommen. Die letzte öffentliche Aufführung war im April 2010 in Amsterdam. Leider gibts im Netz nur den Trailer, aber der muss es halt tun. AFROKAAPS, eine Monsterperformance und wahrscheinlich eine der radikalsten Indentitätsverhandlungen die mixed folks bisher auf die Bühne brachten. Wahrscheinlich...Ever!




A sneak peek at the AFRIKAAPS rehearsal studio

"AFRIKAAPS is a cutting-edge hiphopera about the history of Afrikaans, tracing its origins back to 1600s and its evolution into the 21st century.

Featuring an all-star cast including hiphop poet and performer Jitsvinger, jazz piano prodigy Kyle Shepherd, vocalist and poet Blaq Pearl, Hiphop activist and mc Emile Yx Jansen, Rapper and b-boy dancer Bliksemstraal, singer and dancer Moenier Adams, bassist and electronic producer Shane Cooper and poet and storyteller Jethro Louw of the Khoi Khonnexion.

These rising stars are narrating the history of their people embracing both ancient traditions and state of the art technology to impart their message.

Die Argitekbekke set out on a mission of investigation and redefinition combining storytelling, poetry, music, video and dance to tell the untold story of Afrikaans - a language of liberation.

Cast: Blaq Pearl, Emile Jansen, Jitsvinger, Kyle Shepherd, Bliksemstraal, Moenier Adams, Shane Cooper and Jethro Louw.

Directed by Catherine Henegan
Dramaturg Aryan Kaganof
Video Dylan Valley "

[Quelle: Afrikaaps auf Facebook]

Weitere Infos:





Samstag, 27. November 2010

Sun Ra - Space is the Place (1974)

Alle paar Jahre sollten wir den wirklichen Visionären unser Weltgeschichte Respekt zollen. Das möchte ich hiermit tun. Kinder, fettet die Posaunen, legt das Linoleum aus. Seine Eminenz betritt den Planeten. All hail, Sun Ra!
Sehet! Es kommt ein afrozentristischer, free jazz-spielender Wanderprediger vom Saturn aus der Stratosphäre gesegelt. Er trotzt dem Blitzlichtgewitter, versorgt Oaklands Ghetto-Jugend mit musikalischem Seelenfutter und duelliert sich mit einem dämonischen Pimp names "The Overseer"; trashig, abstrus und einfach genial. Eine Jazz-Legende spielt sich selbst.

[Weitere Parts am Schluß unter ähnliche Videos. Es ist halt nen ganzer Spielfilm.]

 "How do you know I'm real? I'm not real, I'm just like you. You don't exist in this society. If you did, your people wouldn't be seeking equal rights. You' not real. If you were, you'd have some status among the nations of the world. So we're both myths. I do not come to you as a reality I come to you as the myth. 'Cause that's what Black people are. Myths."





Donnerstag, 25. November 2010

Tim Wise. "The Pathology of White Privilege"

Tim Wise macht sein Geld indem er verdammt gute Lesungen, Reden und Präsentationen an US-amerikanischen Colleges hält. Das spannende ist, dass er explizit aus seiner Position spricht, diese benennen kann und damit auch die Normativität dieser Position in Frage stellt. Ist nur der erste Teil. Ich halte Euch aber für so kompentent, dass Ihr die folgenden Teile auch findet und ich empfehle Euch, wenn Ihr Zeit habt alle Teile zu schauen. Es ist wirklich gut. Enjoy and listen!




Und vielleicht im Anschluß noch einen Clip von Comedian Louis CK.




Dienstag, 23. November 2010

Decolonizing Porn oder: Wie ich einst über den schwarzen Monsterpenis stolperte...


"OMG! It's sooo big!"
Ok, Uschi und Rolf wollen ihr Sexleben aufpeppen und suchen "Black Boys".
Nun gut. Kann ja sein, dass ich mich irre; dass Sex mit dem Ausleben von Fantasien zu tun hat, jeglich denkbare Fantasie dafür herhalten darf.  Kann sein, dass unter der Bettdecke rassistische Vorstellungen von sexualisierter Exotik in Sehnsucht, Leidenschaft und zwangloses Rumvögeln umgewandelt werden. Kann gut sein, dass davon einige profitieren und das Schlafzimmer in eine political correctness-freie Heterotopie* transformiert wird, die mit dem Anzünden der obligatorischen Rauchware danach verpufft. Ich würde das absolut unterschreiben, wenn da nicht ein so bitterer Nachgeschmack wäre.
Pornographie ist ja quasi das Spiegelbild männlicher Fantasien. Sexualisierte Objekte erfüllen die ihnen erdachte Aufgabe durch stereotype Präsenz. Besonders schwarze Menschen werden in der gegenwärtigen Medienkultur auf ihre Körperlichkeit reduziert. Das ist auffällig, aber keineswegs neu. Folgende Wortwahl ist Reproduktion dieser Tatsache. Wenn die Adult-Entertainment Industrie also sogenannte "Interracial Porn"- Szenen produziert, in denen ein schwarzer Mann (genannt "schwarzer Monsterschwanz", wahlweise plural) Sex hat, mit jungen weißen Frauen (aka "Teenie-Girls", in der Beschreibung meist unmarkiert), dann müssen wir davon ausgehen, dass dies eine direkte Reproduktion der Fantasien einer beachtlich großen Gruppe Menschen ist.
Du darfst mir gerne antworten, diese Fantasie basiere nur auf sportlich-handwerklichem Interesse an der Belastbarkeit menschlicher Physis, aber der Vergleich zum weißen Super-Gau Angst-Szenario: "Vergewaltigung der eigenen weißen Ehefrau/Tochter durch den fremden schwarzen Mann" drängt sich penetrant auf. Und darauf stehen manche Menschen - zumindest, wenn ich der Industrie glauben mag. Diese "Interracial-Porn"-Fantasie unterliegt keiner Wertung. Ich sag nicht, es ist böse; Ich behaupte auch nicht, Cheeseburger essen sei falsch; ich sag nur was so'n Cheeseburger für Inhaltsstoffe hat.

Sprechen wir von Inhaltstoffen:
Genauso wie Bestrafung, Schmerzen, Dominanz und Unterwerfung für BDSM-Fans sexuell erregend sind, bringen jahrhundertealte Angst-Szenarios des "der wilden Bestie ausgeliefert sein" den Konsumenten in Wallung. Da die europäische Aufklärung die Welt bereits vor Jahrhunderten in "zivilisiert" und "barbarisch" kategorisierte und schwarze Menschen als "naturverbundene Barbaren" beschrieb war die Hierarchisierung  des "Selbst" und des "Anderen" bereits gegeben. Schon im 17.Jhdt. hatte die Europäische Literatur das "wilde Andere" als Thema gewählt und Reiseberichte übertrumphten sich in Beschreibungen exotischer Andersartigkeit. Geschichten über den angeblichen Kanibalismus fremder Völker sind noch heute Zeugnisse dieser Zeit. Die deutsche Kolonialzeit hat auch hierzulande Afrikaner_innen als übersexualisierte Untergebene skizziert, vor denen man (besonders Frau) sich zu hüten hatte.
Die Epoche von Greueltaten, die sich weitläufig unter den Begriffen "Transatlantischer Sklavenhandel" und "Sklaverei" verbirgt, hatte auch auf der anderen Seite des Atlantiks weiße Menschen mit der Wechselbeziehung von Furcht und gewaltvoller Anziehung mit dem "Anderen" vertraut gemacht. Opfer dieser "Wechselbeziehung" wurden besonders schwarze Frauen, deren körperliche Unversehrtheit oftmals lediglich von der Laune weißer Aggressoren abhing. Während sie selbst ewig der Gefahr sexueller Übergriffe seitens weißer Männer ausgesetzt waren, wurden schwarze Männer von ihren Schindern selber als mögliche Gefahr für den Leib, insbesondere aber für die körperliche Unversehrtheit der eigenen Gattin oder Tochter betrachtet. Damit war die "wilde Bestie" also existent, rassifiziert und bedrohlich. Die Angst vor der Vergewaltigung der weißen Frau hat überall auf der Welt zu Repressionen und zahllosen Morden geführt. Wir reden von der alleinigen Paranoia, nicht von tatsächlichen Taten.
Vor 70 Jahren
wurden in den USA noch unschuldige schwarze Männer von Bettlakentragenden weißen Männer an Bäumen gelyncht. Der 14-jährige Emmet Till* wurde 1955 auf brutalste Art ermordet, nur weil er einer weißen Frau hinterher gepfiffen hatte. In Südafrika wurden aufgrund von Vermutungen wahrscheinlich noch vor  20 Jahren Männer auf abgelegenen Farmen im Sand verscharrt.

Wenn ich also der Beliebtheit solcher "Schwarzer Mann (...) weißes Mädel"-Pornographie Beachtung schenke, dann weil ich weiß woher diese Fantasien kommen. Dies beschreibt in etwa den bitteren Nachgeschmack des "Interracial Porn". Wenn Pornographie ein Spiegelbild männlicher Fantasien darstellt, dann gibt es auch ein "Ich" auf der anderen Seite. Dieses "Ich" bringt den Porno in die gemeinschaftliche Schlafzimmer und unter die Kiefernholzverkleidung deutscher Hobbykeller. Du musst nicht danach suchen, um in den Kleinanzeigen auf "Black Boy für mittelaltes Paar gesucht"-Anzeigen zu stoßen.  Wenn Uschi und Rolf ihr Sexleben aufpeppen wollen, dann sei ihnen der Versuch nicht anzulasten. Doch die Konstruktionen von "fremd" und "eigen" und die damit verbundenen Konnotationen sind so problematisch, dass die Konsumhaltung unserer Swinger eine Perversion der eigentlichen Idee von sexueller Freiheit darstellt. Freiheit signalisieren höchstens die ausbleibenden Antworten.


Merke, die Rede ist nicht von Liebesbeziehungen, sondern vom Konsum des als "fremd" bezeichneten; Sei es in Form von Pornographie oder von Swinger-Kontakten. Zugegeben, ich mache viele Fässer auf und das Thema ist zu groß, als dass es wirklich in einen Blog Post passt. Ich bitte auch meine teils reisserische Sprache zu entschuldigen. Ich arbeite daran und bessere mich. Freuen wir uns also auf ein weiteres Highlight in unserer beliebten Reihe, wenn es wieder heißt:
"Sorry, wenn ich Dir gerade den abendlichen Porno verdorben habe, aber ich schreib halt über Rassismus..."



*Heterotopie
*Emmet Till

Weitere Informationen: An excerpt from "Pornland: Racy Sex, Sexy Racism: Porn from the Dark Side"

Bild 1:John Pears (http://www.animeporn.com.au/thumbs/john_pearsons.jpg), Bild 2: Kara Walker (http://newyorkarttours.com/blog/wp-content/uploads/2008/10/kara_walker_2_oct2008.jpg) All copyrights of used pictures are reserved to their respective owners.

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